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Heimspiel oder Ernst vs. Pascal

Pascal und Ernst

Als Ernst vorschlug auf dem Velderhof zu spielen, hatte ich mir zunächst nichts dabei gedacht.

Sicher, bei den zwei oder drei Turnieren die ich dort in den zwei Jahren meiner Golfkarriere gespielt hatte, war Ernst auch jedes Mal anwesend.

Das mochte noch Zufall gewesen sein. Als die Bestätigung der Abschlagszeit dann mit Absender velderhof@aol.com kam und der Absender nicht der Club sondern Ernst war, habe ich das erste Mal an der Platzwahl gezweifelt.

Meine böse Vorahnung bestätigte sich dann vollends am Tag des großen Matches, als Ernst von Clubchefin und Sekretariat mit Kosenamen begrüßt wurde, während ich nach zweistündiger Anfahrt versuchte, wenigstens rudimentäre Beweglichkeit meiner Gliedmaßen wiederherzustellen.

 

Gut, Ernst gehört also seit über 10 Jahren zum Inventar des Clubs, ist mit großen Teilen der Angestellten dort verwandt, verschwägert oder zumindest aus Sandkastenzeiten befreundet und könnte den Platz auch bei völliger Dunkelheit mit Leuchtbällen bespielen – wenn er das nicht schon getan hat.

 

Meine Platzkenntnis beschränkte sich auf das Wissen, dass es irgendwo Schilder gibt, die den Weg zu Tee 1 weisen. Während ich mit meinem Schicksal hadernd zwei oder drei Verzweiflungs-Putts über das  Übungsgrün schob, hatte Ernst die dreidimensionale Platzmatrix in seinem Kopf, bei einer Zigarette, nur noch um den nächtlichen Wuchskoeffizienten des Grases angepasst – und war startklar.

Nicht ohne vorher zu verkünden, dass wir heute gelb-grün spielen würden, statt des normalen grün-gelb Verlaufs. Wahrscheinlich gedacht, um mir jede noch so entfernte Erinnerung an den Platzverlauf zu rauben. Viele der geneigten Mit-Socketierer wissen aber natürlich bereits, dass ich selbst auf Bahn 1 meines Heimatclubs gefühlt jedes Mal in einem fremden Land spiele und keinerlei Wiedererkennungs- geschweige denn Lerneffekte habe. So ging es los.

 

Ernst der Driver

Ernst schlägt ab. Man beachte den Schaft!

An der gelben 1 angekommen, legt Ernst dann mit einem aus intimster Platzkenntnis resultierenden Lächeln vor: Ein Monsterdrive, der ganz weit in der Ferne das Fairway in exakt zwei Hälften teilte!  Hätte ich zu diesem Zeitpunkt den Weg zurück ins Clubhaus gefunden – ich hätte abgeschenkt und wäre frühstücken gegangen. So musste ich mich meiner soldatischen Tugenden erinnern und griff zielsicher in mein Bag, um den Driver rauszuholen…den Driver…so, so. Den hatte ich wohl irgendwann mal rausgenommen und nicht wieder reingetan. So lehnte er also 200km von Tee1 entfernt friedlich zuhause an der Garagenwand. Jetzt ist die gelbe 1 als 494m Par5 das längste Loch der gesamten Runde. Nicht der ideale Ort um diese schmerzliche Lücke im Bag festzustellen und ein psychologisch durchaus anspruchsvoller Moment. Im entscheidenden Augenblick des Aufteens erinnerte ich mich aber daran, dass mir der Abschlag ohne Driver im Schnitt zwei Schläge – sowie mindestens einen Ball – pro Bahn spart.

 

Es war dann doch nur Ernst’ Höflichkeit zu verdanken, dass ich mir die 1 aufschreiben durfte. Als Freund klarer Verhältnisse drängte ich umgekehrt darauf, bereits an Loch 3 die Getränkefrage zu klären. Was mir Gott sei Dank mit einem jämmerlichen Hieb direkt auf die Damenabschlagbox gelang.

 

Was folgte war eine Runde, die alle Highlights des modernen Golfsports bot – bei exzellentem Wetter und guter Stimmung. Aus im Nachgang unerklärlichen Gründen lag ich nach den ersten 9 vier auf. Wohlwissend, dass ein solches Ergebnis weitestgehend dem Zufall geschuldet ist, aß ich sicherheitshalber eine taktische Banane.

 

Pascal am Tee, keine Ahnung welches!!!

Pascal am Tee, keine Ahnung welches!!!

So kämpfte sich Ernst mit teilweise atemberaubenden Annäherungsschlägen wieder heran und hielt das Match offen. Mit zwei auf verließen wir die 16, leicht erschöpft, nachdem ich zuvor den Greenkeepern nicht nur bei der Probenentnahme auf dem Fairway, sondern auch mit meinem Wedge beim Umgraben der Bunker geholfen habe. Das folgende Par 3 war zum Glück so kurz, dass ich trotz kraftraubender Platzpflege zuvor, den sicheren Par-Putt noch zum Bogey verwandeln konnte – 3 auf nach der 17. Ein den Spielverlauf und das absolut auf Augenhöhe ausgetragene Duell zweier großer Sportler nur unzureichend widerspiegelndes Ergebnis.

 

Die letzte und größte Ehre des Tages widerfuhr uns dann auf dem 18. Grün. Wir wurden empfangen von einem Mitglied des Präsidiums der Cologne Sockets! Harry spielte nämlich sein Match am gleichen Tag und wir konnten ihn schon während der Runde bewundern, als er wild gestikulierend und kurz danach Rauchzeichen abgebend, in einem Fairwaybunker unserer (!) Bahn stand – mit den Nachwehen eines verzogenen Drives hadernd.

 

Vielen Dank Ernst für eine tolle Runde bei strahlendem Sonnenschein. Hol’ Dir den genialen Holz-Pott!

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