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Mit Zen-Golf zum Sieg oder Pascal vs. Wolle

„Du hast an fünf Löchern einen vor.“ Das war das Ergebnis unseres aktuellen Handicap-Abgleichs am ersten Abschlag. Und das war der Augenblick als mich der letzte Rest meines Golfmutes verließ. Sehnsüchtig erinnerte ich mich an die Zeiten als ich in Matchplays an jedem Loch mindestens einen, gern auch mal zwei Schläge Vorgabe hatte. Da sich mein Spiel in meiner persönlichen Wahrnehmung – und leider auch oft genug in der offiziellen Notation – seitdem nicht wirklich geändert hat, schaute ich Wolfgang mit einem etwas gequälten Lächeln an.

Jeder der ihn kennt – und das dürfte in Nordrhein-Westfalen so ziemlich jeder Golfer sein – weiß wovon ich spreche. Du stehst dem mehrfachen Meister der bergischen Champions Tour und Ehrenmitglied fast jeden rheinischen Golfclubs gegenüber und er gibt Dir genau fünf Schläge vor.

Und aus welchen Gründen habe ich noch einmal vorgeschlagen auf seinem Heimatplatz zu spielen? Und warum ist das ausgerechnet Schloss Auel, Insidern auch als „Schloss Grauel“ bekannt? Ein Platz, der zwar schöne Blicke in das bergische Land aber nur sehr sporadisch einen Blick zur Fahne bietet?

An einem schönen Tag im Mai waren wir für 11:00 Uhr verabredet. Eine gute Zeit, die mir trotz Anreise aus Frankfurt noch etwas Zeit gegeben hätte, mich nach den zwei Stunden Anfahrt aufzuwärmen und einzuschlagen. Das dachte sich offensichtlich auch Wolfgang: „Wir müssen schon um 9:00 Uhr starten. Bei dem Wetter ist der Platz sonst zu voll.“ Ok – das hieß also 5:30 Uhr aufstehen, kein Frühstück. Warum dann just an dem Morgen auch noch die Driving Range gemäht wurde und bis 10:00 Uhr gesperrt war…wäre Wolfgang nicht so ein Gentleman…

Kaltstart an der 1. PAR 5 Dogleg links mit blindem Treibschlag über das linke rough auf ein zum rechten rough hin abfallendes schmales Fairway. Solide getroffen – der muss da sein…um die Ecke biegen, gucken, suchen: WEG! EINFACH WEG! 1 auf für Wolfgang – ratlose Verzweiflung bei mir. Die 2 verloren, die 3 verloren. Und mittlerweile verstanden warum Wolfgang international gefragter Kurzspiel-Trainer und mehrfacher Gewinner der „Chip of the Year“ Trophäe ist.

Pascal’s Bibel scheint zu helfen. Der erste Sieg in Runde 1

Da sich mein kurzes Spiel durch den unsachgemäßen Einsatz der Wedges häufig nur unwesentlich von meinem langen Spiel unterscheidet, blieb mir neben dem tragischen Verlust einer Reihe von Bällen nur Staunen. Nur nicht schon nach der 10 verloren haben – das war mein zentraler Gedanke in diesem Augenblick.

„All warfare is based on deception“ (Sun Tzu: The Art of War).
So gut konnte er nicht sein, sonst hätte er Handicap 0. In der Deckung bleiben, analysieren, Chancen suchen und zuschlagen wenn sich strategische Fenster öffnen. Vorgabe auf den nächsten beiden Löchern. PAR 4 beide mit über 400 Meter. Angriff! Doppelschlag. Nur noch eins auf für Wolfgang. Wir beide mit einer Mischung aus Genie und Wahnsinn, sowie massivem Ballschwund, auf den nächsten Löchern – all square nach den front nine.
Wolfgang wackelt. Damit brauchte er nach den ersten Löchern nicht zu rechnen.

„Opportunities multiply as they are seized“.
Nachrücken in die Schwächephase des Gegeners: 10 gewonnen, 11 gewonnen – 2 auf! Jetzt nur noch nach Hause bringen.
Die intensiven taktischen Überlegungen fordern ihren Tribut: Ich habe Hunger.
An der 15 eins auf für Wolfgang. Und kein Loch mehr mit Vorgabe für mich auf dem Weg ins Clubhaus. Angesichts weiterer Ballverluste, mittlerweile 30 Grad und wenig Fortune auf dem Grün ein schier aussichtsloses Unterfangen.

„In the midst of chaos, there is also opportunity.“ Trotz eigentlich drückender Überlegenheit kann sich Wolfgang nicht absetzen und wir teilen 16 und 17. Auf der 18 eigentlich keine Chance zu punkten für mich. Das Grün in einem hinteren Dogleg mit zu viel Wasser davor. Mein Angriff landet im Rough und der nächste auf dem Damenabschlag von Loch 10.
Wolfgang könnte jetzt ganz entspannt über den Rentnereingang spielen. Doch so will ein echter Champion nicht gewinnen. Auch der letzte Schlag von ihm soll direkt an die Fahne. Das ist wahre Größe. Wasser! All square!

„He will win, who prepared himself, waits to take the enemy unprepared“.
Der Verlust der 18 war ein schwerer Schlag für Wolfgang. Ruhig bleiben! Vor einem wartenden Flight mit Freunden und Bewunderern von Wolfgang zum Stechen wieder auf die 1 gegangen. Wolfgang’s Abschlag wurde mit einem jovialen „Angeber“-Ruf aus der wartenden Menge quittiert. Nicht provozieren lassen von so einem Traumschlag. Holz 3, Ball im Spiel halten.

Ein denkwürdiges Match gegen einen großartigen Sportsmann von dem ich noch viel Lernen kann. Ich ziehe mit Demut in das nächste mögliche Waterloo der zweiten Runde, während ich Wolfgang schon beim Abschlussturnier den wunderschönen Holzpokal in die Höhe recken sehe.

Euer Pascal

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